Informationspunkt Muna Crawinkel


Am 11. Juni 2015 wurde ein neuer Informationspunkt direkt im ehemaligen Muna Gelände an die Öffentlichkeit übergeben. Die Arbeiten der vergangenen Jahre zur Munitionsbergung, zum Abriss der ehemaligen deutschen Gebäudereste sowie die Renaturierung des Geländes wurden nun abgeschlossen. Die folgenden Internetseiten sollen den Informationspunkt vor Ort ergänzen mit ausführlichen Informationen, Zeitzeugen- und Forschungsberichten. Die Seiten werden in den nächsten Wochen weiter ausgebaut.

Stand: 12. Juni 2015

11. Juni 2015 - Die Bürgermeister Heinz Bley (Crawinkel) und Thomas Reinhardt (Wölfis)
11. Juni 2015 - Die Bürgermeister Heinz Bley (Crawinkel) und Thomas Reinhardt (Wölfis)

Presseerklärung zur Übergabe des Infopunktes in der Muna Crawinkel am 11. Juni 2015

Verfasser: Klaus-Peter Schambach

 

Gefahrenzone zwischen Crawinkel - Wölfis - Ohrdruf - Luisenthal

Das Waldgebiet mit seiner wechselvollen Geschichte wird heute und vermutlich auch zukünftig immer als Muna bezeichnet werden. Hier wurde in der Zeit von 1935 bis 1945  hauptsächlich Abwurfmunition für den Zweiten Weltkrieg zusammengesetzt und gelagert. Die Munitionsanstalt gliederte sich in mehrere, aus Sicherheitsgründen räumlich getrennte Funktionsbereiche. Zu diesen Bereichen gehörten Wohn-, Verwaltungs- und Arbeitsbereiche sowie das Munitionslager. Der Lagerbereich machte flächenmäßig den größten Teil aus. Das Wohn- und Verwaltungsgebiet befand sich aus Sicherheitsgründen weiter entfernt und umfasste eine kleine Arbeitersiedlung und eine Kommandantur. 

 

Anfang Januar 1945 wurde mit der teilweisen Räumung der Munitionshäuser zur Aufnahme eines Teillagers des Außenkommandos S III des Konzentrationslagers Buchenwald in der Muna begonnen. Die Kurzbezeichnung lautete „Lager C“ für Lager Crawinkel. Tausende Häftlinge wurden hier zum Kriegsende in die unbehaglichen Munitionshäuser eingesperrt, die das illusorische Bauvorhaben S III zur Errichtung eines Führerhauptquartiers in Thüringen noch voran bringen sollten. Viele überlebten die unmenschliche Behandlung, schlechte Versorgung, schwere Arbeit sowie die Evakuierung der Lager nicht. 

 

Zu Beginn der 50er Jahre begannen verschiedene Bauarbeiten und erneute Straßensperrungen durch die Sowjetarmee im Bereich der Muna. In den folgenden Jahrzehnten kam es zur Stationierung der 1735. Bewegliche Fla-Raketentechnische Basis zur Unterbringung von Boden-Luft-Raketen der 8. sowjetischen Gardearmee sowie zur Errichtung des Treibstofflagers 2.795 der 116. Brigade für materielle Sicherstellung der Sowjetarmee mit 31 Erdtank-Gruppen und insgesamt 380 Tanks mit einem geschätztem Fassungsvermögen der taktischen Treibstoffreserve von 10 Millionen Liter. Es entstand eine neue Gefahrenzone direkt an der heutigen Bundesstraße. 

 

Es war daher richtig und wichtig, dass nach der politischen Wende in Deutschland damit begonnen wurde, die gefährlichen Altlasten aus der militärischen Besatzungszeit des Waldes zu beseitigen und er damit in Zukunft wieder das Naherholungsgebiet werden kann, was er früher einst war. Für uns Geschichtsinteressierte war es aber auch wichtig, dass die Geschichte der Muna dadurch nicht auch in Vergessenheit gerät und zukünftig etwas daran erinnert. Daher entstand die Idee, dass ein Informationspunkt angelegt werden soll, der über die jahrzehntelange, wechselvolle Geschichte dieses einzigartigen Areals und vor allem über das ehemalige Häftlingslager dauerhaft berichten soll. Er soll auch als ein Ort der Erinnerung und Trauer der Angehörigen der während des Zweiten Weltkrieges hier eingesperrten und ermordeten Häftlinge des Außenkommandos S III sowie den Lebenden zur Mahnung dienen. Nie wieder darf von deutschem Boden und erst Recht nicht aus diesem Wald ein Krieg ausgehen. In der Zeit vom 7. bis 10. April 1945 zerstörten amerikanische Luft- und Artillerieangriffe auf Crawinkel 21 % der Wohngebäude und Scheunen, 75 % des Ortes wurden über Nacht unbewohnbar. Zerstörung und Tod, die einst von dieser Muna ausgingen, kamen mit all ihren Schrecken und Auswirkungen zurück. 

 

Die Geschichtsinteressierten aus Crawinkel und Wölfis danken der LEG daher für die Bereitschaft, die Reste dieses Munitionshauses nach der durchgeführten Munitionsbeseitigung und Renaturierung als Informationspunkt trotz Sicherheitsbedenken zu erhalten. Beginnen wollen wir mit 2 Infotafeln über die Munitionsfertigung und Lagerung in Munitionshäusern wie diesem hier. Zwei separate Tafeln über die Nutzungszeit als Häftlingslager und sowjetische Garnison werden in den nächsten Wochen erstellt und ergänzen später diesen Informationspunkt.